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Information zur Gewässerunterhaltungspraxis am Gräfenbach

Am 17.01.2017 fand ein Ortstermin am Gräfenbach zwischen Roxheim und Gutenberg auf Initiative der unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung Bad Kreuznach statt. Teilgenommen haben neben Vertretern der Kreisverwaltung und des Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) die 1. Beigeordneten der Gemeinden Roxheim, Hargesheim und der Verbandsgemeinde Rüdesheim sowie der Ortsbürgermeister von Gutenberg.


Gräfenbach zw. Gutenberg und Hargesheim

Anstoß für dieses Treffen ist die seit längerer Zeit anhaltende öffentliche Kritik zur fehlenden Totholzräumung am Gräfenbach. Die Kreisverwaltung als Gewässerunterhaltungspflichtiger hat dort mehrere Treibholzansammlungen sowie eine Retentionsfläche an der Seite des Baches belassen. Sie sollen zur Hochwasserentschärfung beitragen. Von Seiten der Bürger und der Landwirtschaft wird allerdings im Rahmen der allgemeinen Totholzdiskussion (Vernässung, Ernteschäden, Ästhetik, Gefährdung der Ortschaften) die Räumung des Gewässers gefordert.

Während des Termins wurde erläutert, dass von den Anlandungen keine Gefährdung ausgeht, sondern im Gegenteil das Hochwasser sogar entschärft werden kann, wie das Hochwasser 2016 zeigte. Mit Hilfe der Treibholzansammlungen und der Freilegung eines Seitenarms des Gräfenbachs wird das Wasser in die vorgesehene Retentionsfläche gelenkt und kann dort einstauen. Somit kann sich das Hochwasser in der Fläche ausbreiten und neue Retentionsräume genutzt werden. Dieser Effekt soll zukünftig noch durch Flächenankäufe, welche im Rahmen eines freiwilligen Landtauschs parallel zum Gewässer angeordnet werden sollen, verstärkt werden. Diese Flächen sollen zukünftig als Wiesen extensiv genutzt werden, sodass ein zukünftiges Hochwasser für die Landwirtschaft schadlos abfließen kann und Bodenerosion vermieden wird.

Zudem können die unterhalb liegenden Ortschaften vor Totholz geschützt werden. Die Anlandungen wirken als Rechen und fangen das von oberhalb kommende Schwemmgut vor den Gemeinden auf. Vor der Brücke wurden quer zur Abflussrichtung zusätzlich zwei Pappeln installiert, um eine Verklausung zu vermeiden. Gerade wo bei Hochwasser keine hohen Schäden zu erwarten sind, sollte möglichst viel Wasser im Gewässerbett und im natürlichen Überschwemmungsbereich zurückgehalten werden. Daher ist im Außenbereich die natürliche Gewässerentwicklung innerhalb eines ausreichend breiten Gewässerkorridors zu fördern. Die hochwasserrückhaltende Funktion der Ufergehölze steht im Vordergrund. Naturnahe mit Gehölz bestandene Bäche verzögern den Abfluss. Mit naturnahen Bächen erfolgt bei Hochwasser ein frühes Ausufern. Durch das angesammelte Treibgut wird der Wasserabfluss gezielt behindert und es kommt hier zur Ausuferung. Gehölzfreie Bäche hingegen erodieren schnell und führen wie Autobahnen schnell in die Ortslagen.

Außerdem schaffen und erhalten naturnahe Bäche natürliche Lebensräume, die für ein lebendiges Gewässer wichtige Voraussetzung sind.

Diese Gewässerunterhaltungspraxis kann somit als gutes Beispiel gewertet werden.

 

Mitteilungsblatt der VG Rüdesheim 16.03.2017